Blumenkäfig Torte

Ich gebe meinen Kreationen ja gerne Namen, aber während mir das bei meinen Holzsachen recht leicht fällt, so ist das bei Torten doch nicht so einfach. Und auf englisch klingt alles irgendwie ein bisschen netter. Aber für’s Erste muß – Blumenkäfig Torte – ausreichen ;)

Irgendwann vor zwei Jahren hat ja dieses ganze Tortendrama angefangen. Ich war ja von Anfang an eher der Einzelkämpfer und hab mir mühselig alles irgendwie selbst bei gebracht, da dieser Trend hier in MV noch nicht ganz so angekommen ist und man für Kurse und Shows sehr weit reisen muß. Aber seit meiner Teilnahme an der “Cake Queen 2015” habe ich jede Menge nette tortenverrückte Menschen kennengelernt und seitdem macht es irgendwie gleich doppelt so Spaß an neuen Projekten zu arbeiten und sich auszutauschen. Und auch das Royal Icing Seminar, welches ich ja im Januar besuchen durfte, hat mich ein Stück weiter in die richtige Richtung geschubst. Natürlich ist man nach so einem Semniar nicht gleich Profi, aber es sind die Details die man mitnimmt und die einem wirklich weiterhelfen. Zumindest bei mir ist das so.

Schon vor einiger Zeit habe ich mir Gedanken gemacht, was ich denn dieses Jahr meiner Mutter für eine Torte zum Geburtstag schenke. Bin mit meinen Ideen immer wieder hin und her gesprungen. Es soll ja immer was Neues mir rein und möchte sich auch ordentlich austoben, aber soll natürlich auch insgesamt passen. Sowohl optisch, als auch geschmacklich.
Da in meiner Familie ja nicht gerne Fondant gegessen wird, wird sich dessen Einsatz in Zukunft auf Dekorationen beschränken. Das hat natürlich aber auch zur Folge, dass ich mir Gedanken darum machen muß, was sich als Ersatz eignet und welche Cremes sich mit Fondant und Royal Icing vertragen, ohne dass es nach kurzer Zeit alles verläuft. Hinzu kommt die Herausforderung ohne Ganache und Fondant schöne gerade Kanten hinzukriegen… aber auch das wird mit der Zeit irgendwann klappen… denke ich :D
So, nun aber auf zur Torte!

Das Konzept

Auch wenn ich sie bislang nicht oft gezeigt habe, so gibt es zu jeder meiner Torten immer eine kleine Skizze. Einfach um eine ungefähre Idee zu haben, wie was aussehen soll und arrangiert werden muß. Das ist oft nicht mal wirklich detailliert und außer mir kann wohl kaum einer was damit anfangen.

Der Plan war eine Zitronentorte mit Swiss Meringue Buttercreme (bis dato auch noch nie gemacht) auf der oben ein Blumenkäfig aus Royal Icing und ein RI Collar (oder auch Kragen) raufsollte. Dazu – wie immer – jede Menge Blumen. Und alles in Frühlingsfarben, um dem trüben Wetter ein wenig entgegen zu wirken.

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Die Höhe plane ich nie ein, weil ich mit dem Böden backen immer so ein wenig auf Kriegsfuß stehe. Da besteht auch noch Übungsbedarf ;)
Auf alle Fälle sollte sie nicht zu niedrig sein, damit die Verzierungen auch wirken können. Klein und knubbelig kommt da einfach nicht so gut. Zusätzlich sollte ein Teil eines 3-teiligen Gutscheins “versteckt” werden, der seinen Platz dann im Blumenkäfig gefunden hat.

Vorbereitung: Royal Icing & Fondantblüten

Wie immer habe ich die Blüten schon im Voraus fetig gestellt. Zum Teil alleine, zum Teil mit Hilfe der Prinzessin die ja immer mal zum Backen vorbeikommt und auch sichtlich Spaß daran hatte, die Blüten zu formen.

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Und auch mit dem Royal Icing wurde, da ich sowohl Bögen als auch Kragen noch nie zuvor gemacht hatte, rechtzeitig angefangen. Für den Kragen habe ich mir eine Vorlage aus dem Internet rausgesucht, da ich keine Lust hatte etwas selbst entworfen. Die heruntergeladene Vorlage habe ich dann auf die 18cm Durchmesser meiner Torte angepasst und anschließend mir mit ein bisschen Mathe noch ausgerechnet wie groß die Bögen für den Käfig sein müssen und sollten. Die habe ich dann aber doch selbst entworfen.

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Während man den Kragen ja auf gerade Fläche fertigt, brauchte ich für die Bogen eine gerundete Oberfläche, die auch vom Durchmesser her passen würde. Zum Glück hatte ich noch eine alte Papprolle herumliegen, die genau den Anforderungen entsprochen hat. Auf gerade Fläche zu arbeiten ist allerdings doch bequemer ;)
Einer der Bögen ist mir nach dem Trocknen leider heruntergefallen, aber einer der Vorteile von Royal Icing ist, dass man es wieder zusammenkleben kann. Bei Fondant würde man immer die Bruchstellen sehen, bei RI kann man es fast zu 100% kaschieren.
Und auch beim Kragen gab es beim Ersten einen Riss (ich hab ihn zu früh loslösen wollen). Da ich aber eh nicht so zufrieden mit ihm war, hab ich gleich noch einen Zweiten gemacht.

Swiss Meringue Buttercreme

Wie anfangs bereits erwähnt, ist Fondant in meiner Familie nicht so der Renner. Die Torten sollen natürlich toll aussehen, aber um den Einsatz von Fondant zu reduzieren, bin ich auf der Suche nach Alternativen, die auch längerfristig durchhalten. Im letzten Jahr hatte ich ja bereits kleinere Royal Icing und Fondant Verzierungen auf deutscher Buttercreme getestet. Funktioniert, ist aber nicht optimal (wobei ich damals auch noch nicht soviel Erfahrung hatte) und nach einer Weile wird Wasser gezogen und Blüten fallen ab.

Swiss und Italian Meringue Buttercreme stehen auch schon eine Weile auf meiner To-Do-Liste. Ich wusste, dass beides fondanttauglich ist, hatte aber Bedenken wegen des Royal Icings. Ein wenig Recherche im Web hat auch unterschiedliche Ergebnisse hervorgebracht, so dass ich es einfach drauf ankommen lassen habe. Wie immer: no risk, no fun. Ein Beitrag sagte, dass gut gekühlte Buttercreme kein Problem wäre.

Also ging es an’s Buttercreme machen.

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Swiss Meringue Buttercreme geht definitiv schneller als deutsche und ist auch von her Herstellung recht einfach. Man erhitzt Eiweiß und Zucker über dem Wasserbad, bis sich der Zucker aufgelöst hat, schlägt dann die Masse steif, gibt Butter dazu und verfeinert das Ganze. Fertig!

Ja ich war skeptisch. Aber sogar mein Vater ist überzeugt und DAS will wirklich was heißen ;)
Das Rezept habe ich von kaffeeundcupcakes.de. Habe verschiedene verglichen und das hat mir am meisten zugesagt. Allerdings nur mit 250g Butter und unter Zugabe von Zitronensaft.

Fertigstellung Torte

Neben der Buttercreme habe ich am Vortag auch die Böden gebacken. Da ich mir eine gute Basis verschiedener Grundteige zulegen möchte, bin ich auch da noch am experimentieren. Man könnte jetzt argumentieren, ob das Sinn macht, wenn es wirklich auf das Ergebnis ankommt, aber das ignorieren wir einfach mal…
Habe hier mit einem Biskiutteig angefangen, aber der ist nicht mal ansatzweise schön hochgegangen. Krise! Also kurz überlegt und dann viel mir ein, das viele immer von diesem Wunderkuchen schwärmen. Rezept kurz gegoogelt, für gut befunden und schnell den Teig zusammengerührt. Hab den aber in zwei Etappen gebacken, denke das hätte ich auch beim Biskiut auch so machen sollen.
Dieser ging wunderbar auf, ist schön fluffig und saftig. Wirds öfter mal geben, zumal er auch individualisierbar ist. Top!
Hubbelfrei backen muß ich aber auch noch mal üben ;)

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Nachdem die Böden ausgekühlt waren, wurde geschichtet. Der unschöne Biskuit unten, etwas Zitronenbuttercreme, erste Schicht Wunderkuchen, wieder Zitronenbuttercreme und zweite Schicht Wunderkuchen. Der war übrigens auch noch mal mit etwas Zitrone verfeinert. Anschließend wurde das ganze Konstrukt mit der Creme eingestrichen, ein wenig gekühlt und dann versucht die vorhandenen Dellen auszugleichen. Da hab ich mich mit der Swiss Meringue Buttercreme noch etwas schwer getan, weil sie so schaumig (mousse-artig) war und dadurch neue Lücken entstanden sind.
Deswegen ist da nichts 100% glatt geworden, aber das war vollkommen ok für mich. Hab allerdings vergessen ein Foto davon zu machen.

Am Tag der Feier wurde dann die ganze Deko zusammengesucht und auf der Torte befestigt. Angefangen habe ich mit der Basis für den Blumenkäfig und versucht ihn möglichst mittag aufzusetzen. Darauf kamen dann der Gutschein und eine einzelne größere Blüte. Als Nächstes kamen dann die kleinen Blüten dran und wurden wahllos überall mit Royal Icing an den Seiten befestigt.

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Dann folgte der Royal Icing Kranz und die Einzelteile des Blütenkäfigs. Zum Schluß wurden dann noch oben und direkt unter dem Kragen Blüten verteilt bzw Lücken gefüllt, so dass ein gleichmäßiges Bild entstanden ist.

final
details top

Binnen kürzester Zeit war das Werk dann auch schon wieder zerstört ;)

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Fazit: Royal Icing / Fondant und Swiss Meringue Buttercreme funktioniert wunderbar zusammen; selbst am nächsten Tag war noch nichts zerlaufen. Und auch der Wunderkuchen ist wirklich ein kleines Wunder und wird nun öfter als Grundlage herhalten.

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Lydi

Hi,

bin gerade sehr glücklich, das ich deinen Eintrag gefunden habe, suche seit Tagen wie blöde nach alternativen, was man unter einen Icing-Collar machen kann außer Fondant und den ganzen Kuchen mit Icing einzukleiden war mir auch zu heftig.

Cool das es mit der Swiss-Meringue-Buttercrem geht und das Icing dann noch trocken bleibt, wenn man es drauf legt. Jetzt habe ich endlich eine Idee.

Vielen Dank.